Jede Landschaft hat ihre Besonderheiten, auch was das Essen anbetrifft. Das war in früherer Zeit noch ausgeprägter als heute, denn die Konservierung der Lebensmittel war schwierig und der Transport über weite Strecken deshalb weder möglich noch üblich. Es kam auf den Tisch, was Land und Garten hergaben und war somit jeweils der Jahreszeit angepaßt. Einige der hier aufgeführten Gerichte waren typisch in der südlichen Wesermarsch. Sie mögen auch anderswo bekannt gewesen sein, aber heute sind sie größtenteils sowohl hier als auch dort kaum noch bekannt.
1. Beestpudding
Beestpudding kann es nur geben, wenn eine Kuh gekalbt hat. Zur Herstellung des Beestpuddings gehört als wichtigster Bestandteil die Biestmilch (plattdeutsch Beestmelk), das ist die erste von einer Kuh nach dem Kalben ermolkene, sehr fett- und zuckerhaltige Milch. Von dieser Milch bekommt zunächst das neugeborene Kalb zu trinken. Ist dann noch genügend übrig, kann es Beestpudding geben. Früher war Beestpudding schon etwas Besonderes, denn die Zahl der Kühe war in der Regel bedeutend kleiner als heute. Zehn oder mehr Kühe auf einem Bauernhof waren schon eine Ausnahme. Außerdem war die Beestmelk nicht immer für Beestpudding geeignet. Sie durfte weder rötlich-blutig noch zu dünn sein.
2. Rulken
Rulken waren allgemein bekannt und wurden auf vielen Bauernhöfen nach speziellem Rezept hergestellt. Die wichtigsten Bestandteile waren Rindfleisch und Reis.
3. Hack und Blutballen (auch Knipp und Blutwurst genannt)
Schweine wurden früher nicht nur auf den Bauernhöfen, sondern auch in den meisten anderen ländlichen Haushalten gemästet. Geschlachtet wurde in den Wintermonaten. Da es noch keine Gefrieranlagen oder Gefrierschränke gab, wurden Fleisch, Speck und Wurst durch Räuchern, Pökeln und Einkochen haltbar gemacht. Trotzdem war die Haltbarkeit – besonders bei Hack und Blutwurst – begrenzt. So kam nach dem Schlachttag in der Regel täglich zum Frühstück Hack auf den Tisch. War dieses nach ca. 14 Tagen verbraucht, folgte die Blutwurst, solange der Vorrat reichte. Beides wurde in der Pfanne erwärmt, besonders Hack dabei leicht angebraten. 4. Jan in’n Sack
Jan in’n Sack ist ein Gericht aus Reis und Rosinen, verfeinert mit Zucker und Zimt. Es wurde unabhängig von der Jahreszeit zu besonderen Anlässen serviert. Woher der Name kommt, läßt sich nicht mehr genau feststellen. Vermutlich war mit dem Sack der Leinenbeutel gemeint, in dem der Reis gegart wurde. In Stedingen nannte man ein ähnliches Gericht, nämlich Reis mit getrockneten Pflaumen „Jan in’n Hemd“. (Der dröge Jan – Trockenpflaume - im weißen Hemd)
5. Birnen- oder Duffkuchen
Früher wurde Wert darauf gelegt, eigenes Obst zu haben. In den Gärten wuchsen neben frühen Augustäpfeln und vielen anderen Apfelsorten bis hin zum spätreifen Boskop auch verschiedene Sorten Birnen. Wir hatten zum Beispiel einen großen Birnbaum, dessen kleine, wenig haltbare Früchte wir auf plattdeutsch „Ködelbeeren“ nannten. Wenn sie Ende August reiften und schnell verwertet werden mußten, war die Zeit für einen Birnen- oder Duffkuchen gekommen. Der Baum trug fast in jedem Jahr sehr reichlich. Die Birnen wurden nicht gepflückt, sondern vom Baum geschüttelt, wenn sie nicht von selbst herunterfielen. So mancher volle Korb ging zu Nachbarn und Bekannten, denn auch bei ihnen war der Duffkuchen sehr beliebt. |